Interview mit dem Hamburger Autor Süleyman Deveci

Wir haben mit dem Hamburger Autor Süleyman Deveci über seinen Roman „Tod in der Luxuspassage“ gesprochen. Der Roman hat gerade seine II. Auflage gemacht. Wir wollten wissen, um was es sich dabei handelt. 

- Können Sie uns kurz erzählen, worum es in Ihrem Roman geht? Wie würden Sie ihr Buch beschreiben?

- Es ist ein Roman, mein erster Roman auf Deutsch. Man hat eines Tages in einer Einkaufspassage eine Leiche gefunden. Der Wachmann Öglücüoglu wird damit konfrontiert, wobei er dabei natürlich nicht der Einzige ist. Die Besucher der Passage, die Mitarbeiter der Geschäfte, kurz wer sich an dem Tag gerade dort befindet oder vorbeigeht, hat mehr oder weniger über den Fall etwas zu sagen. Kurz vor dem Mord hatte der Wachmann mit dem unüblichen Namen angefangen, sich über den Tod Gedanken zu machen. Während der Leichnam entdeckt wird, gehen diese Gedankenspiele weiter, aber auch danach bietet der Roman eine ganze Menge Lesestoff für den Interessierten. 

- Ihr Roman heißt ja „Tod in der Luxuspassage“. Es wird eines Tages eine Leiche in dieser Passage gefunden. Warum eine Leiche in einer Luxuspassage? Was wollten Sie damit bezwecken?

- Keiner weiß wann, wo und wie der Tod uns findet. Ich wollte damit Denkanstöße geben. Da er uns überall und jederzeit erwarten kann. Der Tod ist die einzige Gleichheit, die alle Lebewesen genießen. Man sagt nicht umsonst, dass jeder Tod ein frühzeitig aufgetretenes Ende ist und damit jegliche denkbare Zukunft einer Person zunichte macht. Dennoch könnte es auch im Flughafen, Hamburger Hauptbahnhof, Redaktionsbüro einer Tageszeitung, unserem Lieblingsdiscounter, beim Restaurant, vor der Glotze, unter der Dusche passieren. Nicht der Ort des Geschehens, sondern der Inhalt sollte uns beschäftigen. Also der Tod ist mit uns überall, um uns herum, ob wir ihn sehen wollen oder zu ignorieren versuchen. Aber wir beschäftigen uns erst damit und setzen uns ernsthaft mit ihm auseinander, wenn wir einen von unseren Verwandten, Bekannten oder Nahestehenden verloren haben.

Auf einer Seite unterhält der Roman nicht nur den Leser, auch die Geschehnisse beschäftigen die Luxuspassagenbesucher. Durch den Protagonist Öglücüoglu versucht man sich mit all der Story und tragischem Inhalt ernsthaft auseinanderzusetzen. Als ob er der Einzige wäre, der mit der Leiche Mitleid hat. Durch seine Alleswisserei und Übersensibilität fällt er auf, seine Empfindungen sind anders als die des üblichen Passagen-Publikums. Wir nähern uns durch seine Einleitungen und kritischen Ansichten zum Thema. Sicherlich ein Versuch damit umzugehen und Antworten zu suchen.

- Auf der anderen Seite ist Tod in der Luxuspassage aber ein Krimi oder…?

- Sicher. Es gibt einen Toten. Wir wissen erst am Ende wer bzw. wie er sein Leben verloren hat. Es gibt eine Leiche, haben wir gesagt. Wo es eine Leiche gibt, gibt es Polizei, Rettungsdienst, medizinische und forensische Untersuchungen, Justiz, Journalisten, aber auch ganze Menge Gaffer oder angebliche Tatzeugen. Ich wollte mit meinem ersten Versuch aber nicht ein klassisches Opfer und heldenhaften Falllöser erfinden, sondern die Leser(Innen) eher mit dem Thema beschäftigen und sie zum Zeitpunkt bringen, an dem sie sich mit dem Tod konfrontiert sehen, wie sie reagieren würden, wie sie damit umgehen, was sie selber dagegen unternehmen könnten. Während der ganze Zirkus stattfindet, was würden sie am liebsten tun? Ob es mir gelungen ist? Von meiner Seite aus bin ich zufrieden…

- Wie kann man mit einem Kriminalroman über den Tod etwas Umfangreiches sagen?

- Es gibt eine allgemeine Abwertung gegenüber Krimis - bezogen auf die literarische Ebene - die ich allerdings nicht teilen kann. Ich denke ein guter Schreiber, damit meinte ich ein guter Erzähler dazu, kann in jedem Genre über alles schreiben. Dazu hat er die Fähigkeit, deswegen nennt man ihn Schriftsteller. Darunter verstehe ich konkret jemanden, der über alles schreiben kann. Sie können sicherlich mit dem Schreiben jonglieren und seitenweise Gedankenspiele hervorzaubern. Aber sie können auch mit einer guten Geschichte den Verstand, das Herz und die Gedankenwelt der Leser gewinnen. Wenn Sie mich fragen, es ist einer der schwierigsten Jobs, dem ich je begegnet bin. Es ist aber genau so faszinierend, lebendig, anziehend und lehrreich. Wenn Sie damit einmal angefangen haben, können Sie bis zum Tod nicht aufhören.

- Wie sehen die weiteren Projekte aus?

- Ich habe vor, in kurzer Zeit alle fertigen Manuskripte endlich mal durch diesen Weg weiterhin zu veröffentlichen. Etwa 5-6 unveröffentlichte Werke meine ich. Dann schauen wir mal wo der Weg uns hinbringen wird…

- Danke und viel Erfolg.

29.06.2019


 

Wer ist Süleyman Deveci:

Er ist im Jahr 1966 in Ankara geboren. Im Alter von 21 Jahren kam er nach Hamburg. Hier lernte er Journalismus und Tätigkeiten eines Redakteurs. Er schreibt sowohl auf Deutsch als auf Türkisch Romane, Erzählungen, Kritik, Essays und Sachbücher. Zurzeit lebt er in Hamburg. Süleyman Deveci´s Schreibabenteuer fing mit den Biografien von einigen historischen Persönlichkeiten an und setzt mit Erzählungen, Roman und Kritiken fort. 

2007 wurde sein erstes Buch "Menschen aus der Geschichte der Kurden" veröffentlicht. 2008 setzte er mit seinem ersten Roman "Tod in der Luxuspasage" sein Schreibabenteuer fort. 2009 erschien seine zweite Biografie "Saladin, der Kurde". 2011 kam seine ersten Erzählungen "Hamburg´dan Esintiler" auf Türkisch heraus. 2012 erschien sein zweiter Roman "Hamburg´da Hayat" auf Türkisch. Seine zweiten Erzählungen "Hamburg´da Yalnızlık" wurden  2012 veröffentlicht. Die dritten Erzählungen “Hamburg´da Aşk Başkadır” erschienen 2013. Im selben Jahr wurde sein erstes Essay “Hamburg´da Edebiyat” veröffentlicht. Sein neuntes Buch wurde 2014 veröffentlicht, der Türkische Erzählband "Yak Gitsin. 
 

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