Wenn es in Los Angeles zu einem Erdbeben kommt, kann man das drei Minuten später online bei der Los Angeles Times lesen. In der Zeile, die den Autor der Nachricht angibt, liest man dann „Quakebot“. Das ist kein Spitzname oder Kürzel für einen Angestellten bei der LA Times. Vielmehr handelt es sich dabei um einen computergenerierten Text. Ken Schwencke, Journalist und Programmierer bei der Zeitung, hat den Algorithmus Quakebot entworfen. Bisher können die Roboterjournalisten vor allem aber nur herkömmliche Nachrichten formulieren. Der Einsatz der Computer zur Erstellung von Kommentaren, Interviews oder Analysen ist zumindest derzeit noch nicht möglich. In den kommenden zehn Jahren kann sich diesbezüglich noch einiges ändern.


Doch nicht nur die LA Times setzt Roboter, auch Softbots genannt, für diese Art des Journalismus ein. Die Nachrichtenagentur AP nutzt beispielsweise heute schon Automated Insights für Finanzmeldungen. Auch Yahoo nutzt den Dienst. Nach eigenen Angaben haben die Softbots von Automated Insights 300 Millionen Berichte im vergangenen Jahr erstellt, das sind 9,5 pro Sekunde. In diesem Jahr sollen es eine Milliarde werden. Die AP gibt an, aufgrund der Nutzung der schreibenden Computer keine Stellen kürzen zu wollen. „Es geht dabei darum, Technologie zu nutzen, um den Journalismus zu befreien“, sagte Paul Coolford von AP dem Newsobserver. Es solle mehr Journalismus gemacht werden als reine Datenverarbeitung.



Etwas Vergleichbares wie Quakebot gibt es auch von Narrative Science: Quill. „Quill ist unsere patentiere Erzählplattform für Unternehmen, die über das reine Berichten von Zahlen hinausgeht“, so Narrative Science. „Es schafft perfekt geschriebene Erzählungen, um Daten für jedes potentielle Publikum zu vermitteln.“ Kris Hammond, der Kopf um Narrative Science, schätzt, dass in 15 Jahren mehr als 90 Prozent der Nachrichten von Computern geschrieben werden, zitiert ihn das Magazin Wired. „Das bedeutet nicht, dass Roboter 90 Prozent der Journalisten ersetzen werden, sondern nur, dass die Menge des veröffentlichten Materials massiv ansteigen wird“, Sagte Hammond dem Guardian. Das englischsprachige Wirtschaftsmagazin Forbes nutzt Quill bereits, aber auch Ratingagenturen und Banken greifen darauf zurück.

Die französische Firma Yseop hat ein System entwickelt, das Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch als Kommunikationssprache nutzt. Japanisch soll auch bald zum Repertoire gehören. Banken, Telekommunikationsunternehmen und auch Nachrichtenseiten von Finanzunternehmen arbeiten mit dem System. Die Artikel von Yseop ändern sich sogar in Echtzeit, wenn bestimmte Daten geändert oder auch weggelassen werden. „Yseop ist die erste intelligente künstliche Maschine, die schreiben und mit jemandem ein Gespräch führen kann“, so das Unternehmen selbst. In Deutschland setzt Aexea auf das automatisierte Schreiben: Der Software liege ein komplexer Algorithmus zugrunde, der in der Lage ist, Daten aus unterschiedlichen Datenbanken zu verknüpfen. Und daraus könne er „Beziehungen, Korrelationen, Einflüsse und Besonderheiten identifizieren.“