GÜNDEM:
Grubenunglück in der Türkei, Hunderte Tote
 Noch immer sind Arbeiter unter Tage eingeschlossen. Energieminister Taner Yıldız befürchtet, dass die Opferzahlen weiter steigen könnten. Die ganze Nacht hindurch kämpften die Rettungsteams um die nach Explosion und Feuer eingeschlossenen Minenarbeiter. Der türkische Energieminister Taner Yıldız geht im Augenblick davon aus, dass noch mehr als 300 Kumpel im Innern der Kohlemine gefangen sein könnten. Unter den bisherigen Toten soll sich auch ein 15-jähriger Junge befinden.


Dazu eklärt der Energie Minister: „Wir haben 201 unserer Arbeiter verloren. Wir befürchten, dass die Zahl steigen wird“. Elf Stunden, nachdem es in der Grubenunglück zu dem fatalen Unglück gekommen ist. Neben den vielen Toten soll es ihm zufolge gut 80 Verletzte geben. Die Opferseien durch eine Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.

Darüber, wie viele Minenarbeiter sich zum Zeitpunkt der Explosion unter Tage aufgehalten haben sollen, scheint mittlerweile ein deutlicheres Bild zu existieren. Ersten Berichten, wonach sich 580 Kumpel in der Grube befunden haben sollen, wurden nun von Yıldız korrigiert. Ihm zufolge seien tatsächlich 787 Arbeiter unter Tage gewesen. Ob es sich dabei um die endgültigen Zahlen handelt, scheint aber weiterhin unklar. Denn laut dem Minister seien unter den Verletzen auch Personen von außerhalb der Mine gewesen. Dieser Umstand, so Yıldız, bereite nun zusätzliche Sorgen.

Der Unfall und die massive Zahl der Todesfälle haben heftige Wut in der Türkei ausgelöst. Es werden Anschuldigungen laut, dass die Sicherheitsmaßnahmen unzulänglich gewesen seien. Die Regierung und Minengesellschaften sollen fahrlässig handeln. In der gesamten Türkei sind für diesen Mittwoch Proteste geplant.

ANTRAG AUF UNTERSUCHUNG VON OPPOSITIONSPARTEI (VOM REGIERUNG) ABGELEHNT


Die Oppositionspartei CHP war erst vor wenigen Wochen im Parlament von Ankara mit dem Versuch gescheitert, Zwischenfälle in der Grube von Soma untersuchen zu lassen: Erdogans Regierungspartei AKP bügelte den Antrag ab. Kritiker werfen der Regierung vor, bei der Privatisierung vieler ehemals staatlicher Bergbaufirmen in den vergangenen Jahren die Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen ignoriert zu haben.

GEWERKSCHAFTSBUND DISK NENNT ALS MASSAKER


Für den linken Gewerkschaftsbund DISK ist das Unglück von Soma deshalb ein "Massaker", wie der Vorsitzende Kani Beko sagt. In Gruben wie in der von Soma seien ganze Ketten von Subunternehmern am Werk, die nicht vernünftig kontrolliert würden. Sicherheitsvorschriften würden außer Acht gelassen: "Es geht nur um den Gewinn."

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat unterdessen seine geplante Reise nach Albanien abgesagt. Auch er wird an diesem Mittwoch, ebenso wie CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu, am Unglücksort erwartet. Der Premier stellte bereits klar: Die Rettungsarbeiten hätten sofort begonnen, nachdem das Unglück bekannt geworden wäre. Er erhofft sich, in den kommenden Stunden weitere Klarheit über die Umstände und die aktuelle Situation. Staatspräsident Abdullah Gül ist ebenfalls bereits aktiv geworden. Er wandte sich direkt an Gouverneur Abdurrahman Savaş, um weitere Rettungseinheiten zu mobilisieren. Mindestens eine Luftrettung und 27Krankenwagen wurden bisher zum Unglücksort entsandt. Ein nahe gelegenes Kühllager wurde in eine provisorische Leichenhalle verwandelt.

Mittlerweile hat sich auch die verantwortliche Betreibergesellschaft, die Soma Coal Mining Company, zu Wort gemeldet. Ihren Angaben zufolge sei die letzte Inspektion vor zwei Monaten durchgeführt worden. Mängel seien dabei nicht festgestellt worden. Nähere Angaben, etwa zur exakten Anzahl der Arbeiter, gab es allerdings nicht. Insgesamt soll es in der größten privat betriebenen Mine der Gegend jedoch rund 6500 Beschäftigte geben.

Am Mittwochmorgen keimte neue Hoffnung auf. Sechs Kumpel konnten 18 Stunden nach der Explosion lebend aus der Tiefe geborgen werden. Sie wurden sofort in ein Krankenhaus gebracht. Doch mit jeder Stunde schwindet derzeit die Hoffnung auf weitere Überlebende. Wie jetzt bekannt wurde, soll sich unter den bisherigen Toten auch der erst 15-jährige Kemal Yildiz befunden haben. Das wurde von einem Angehörigen im türkischen TV bestätigt.

Derzeit halten sich Tausende Familienmitglieder und Freunde in der Nähe des Unglücksortes auf und harren weiterer Neuigkeiten. Die Nerven liegen blank.

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